Monolithes I-III
In einer gewachsenen und belassenen Natur steht der Mensch oft staunend und naiv vor der Entstehungsfrage außergewöhnlicher Naturdenkmäler, wie beispielsweise imposanten Gesteinsformationen. Oft werden insbesondere geologische Phänomene in heutiger Zeit gar als Attraktion bzw. Ausflugsziel vermarktet, denn der Mensch, der sich in der Regel, trotz aller offensichtlicher Gegenargumente, als Mittelpunkt und Richtungsgeber unserer Welt sieht, genießt hin und wieder gerne den Ausbruch aus diesem selbstgeschaffenen modernen Machtgefüge und erkennt für kurze Zeit die Gewaltigkeit und Einzigartigkeit der Natur an. In der Regel hinterlassen diese Ausbrüche keine bleibenden Spuren in der humanen Selbstwahrnehmung und Lebensweise.
Erste empfindliche Ökosystem wurden bereits durch menschliches Verursachen unwiederbringlich zerstört. Weniger empfindliche Ökosysteme folgen derweil zuverlässig.
Doch wie lange werden monolithische Methusalems, einst spirituell verehrt heute lediglich noch vermarktet, den schleichenden, aber steten Folgen des Klimawandels und weiteren Eingriffen des Menschen noch standhalten? Gestein und Fels werden den äußeren Einflüssen vermutlich am längsten trotzen, doch was kommt nach deren Pulverisierung, verursacht durch Super-GAU oder Überschreitung eines finalen Kipppunktes? Hier beginnt die notwendige Utopie, die dieses Werk benötigt bzw. hervorruft. Wird der Mensch, sofern er noch dazu fähig ist, in romantischer Erinnerung an die alte vermeintlich heile Welt, imposante Gesteinsformationen und Felsmonumente nachbilden? Rekonstruktionen prähistorischer Flora und Fauna zu Unterhaltungs- und Bildungszwecken in heutiger Zeit sprechen für diese These.
Vorbild für Rekonstruktionen in einer utopischen Nachwelt und gleichzeitig vorgreifendes Mahnmal für das Jetzt, soll die hier gezeigte Arbeit sein.
Aus schwer verrottbaren und umweltbelastenden Abfallstoffen (Getränkekartons mit Aluminiumbeschichtung) entstand durch reine Falttechnik eine reduzierte, kristalline Grundstruktur, welche ein Ensemble amorpher Steine und Felsen bildet, wie sie einst in der alten Welt allgegenwärtig waren. Satirisch zeigen die Findlinge den naiven menschlichen Drang zu Rekonstruktion bekannter Strukturen und künstlichem Erhalt einer Erinnerung an vermeintlich bessere Zeiten auf.
So statisch optimiert, wie nur die Natur sie wachsen lassen und so künstlich im Material wie nur der Mensch sie herstellen könnte, verkörpert das Ensemble der ´Monolithes I-III´ eine menschliche Widersprüchlichkeit der Liebe zur Natur und der gleichzeitigen Verseuchung bzw. Zerstörung durch kapitalistisch bedingten Wohlstandsmüll. Die banale Materialität der ´Monolithes I-III´ ist ebenfalls Indikator für ein Umdenken zum Umgang mit Rohstoffen, aufgrund deren Mangel, in der Utopie einer Welt nach dem Super-GAU.
Als örtlicher Rahmen der gezeigten Darstellungen wurde symbolisch ein Waldstück gewählt, welches unmittelbar an das Gelände des umstrittenen Atommülllagers Asse in Niedersachsen grenzt. 750m unter den ´Monolithes I-III´ lagern radioaktive Abfälle, welche auch noch in Zeiten einer notdürftig rekonstruierten Welt strahlen werden.
Die gezeigte Arbeit beinhaltet außerdem zu gleichen Teilen den motivierenden Ansporn zum wahrhaftigen Bewahren unserer Welt, sowie anfänglichen Pioniergeist zur mehr oder weniger vagen Planung einer Neugestaltung einer hypothetischen Nachwelt mit menschlicher Beteiligung, ohne dabei deren Scheitern zu vernachlässigen.
Teilnahme am Luxembourg Art Prize 2022 im März 2022
Im Dezember 2022 wurde die Arbeit Monolithes I-III durch die Jury des Luxembourg Art Prize 2022 mit der Verdiensturkunde für künstlerische Arbeit ausgezeichnet.
nur als Ensemble zu erwerben
1750€